Künstler & Lehrer

Biographie 1928 - 2016

Harry Buser ist 1928 in Schaffhausen geboren und im nahen Neuhausen am Rheinfall aufgewachsen. Nach der künstlerischen Ausbildung an der Kunstgewerbeschule Zürich folgt 1948 bis 1950 ein Aufenthalt in Paris. Von 1951 – 1979 wohnhaft in Zürich, dann Umzug nach Feuerthalen ZH. Lehrtätigkeit an der Schule für Gestaltung Zürich (1965 – 1991, Leiter der Vorkursklasse V5).

Ab den 50er- bis in die 80er-Jahre schaffte Buser eine Reihe von Wandbildern für öffentliche Gebäude. Zwei Einzelausstellungen im Museum zu Allerheiligen und zahlreiche Beteiligungen an Gruppenausstellungen, überwiegend in der Schweiz, ergänzen seine Präsenz in der Öffentlichkeit. Besondere Wertschätzung erfährt Buser durch den Zuspruch von Stipendien (1955 von der Stadt Zürich, 1956 vom Kanton Zürich, 1965 Eidgenössisches Stipendium) sowie durch die Verleihung des Georg-Fischer-Preises (1957) und des Conrad-Ferdinand-Meyer-Preises in Zürich (1958).

Harry Busers bevorzugtes Arbeitsgebiet war neben der Malerei und Wandbildgestaltung die Zeichnung mit all ihren graphischen Techniken.

Bis an sein Lebensende im Jahr 2016 lebte und arbeitete Harry Buser zusammen mit seiner Frau Ruth Buser-Schmid in Feuerthalen ZH

Atelier

Atelierhaus in Feuerthalen

 

 

Nachruf

Nachruf

Samstag, 30. Juli 2016

Künstler, Lehrer und liebenswürdiger Mensch mit Humor

Hortensia von Roda, Schaffhauser Nachrichten

Der 1928 in Schaffhausen geborene Harry Buser erhielt seine ersten künstlerischen Anregungen beim weit über Schaffhausen hinaus bekannten und sehr geschätzten Künstler und Lehrer Werner Schaad. Später, 1947/48 besuchte er die Kunstgewerbeschule in Zürich. Seine Lehrer waren Otto Morach und Walter Binder. 1948 bis 1950 war er in Paris und verkehrte unter anderem mit Georges Vantongerloo. Erlernte Werke von Georges Seurat, Fernand Léger und Juan Gris kennen. Wieder in Zürich war er als freier Künstler tätig, und später, von 1959 bis 1991, wirkte er als Lehrer an der Kunstgewerbeschule in Zürich. Ab 1979 und bis zu seinem Tod lebte und arbeitete er in Feuerthalen am Rhein.

Die genannten Künstler haben Buser zweifelsohne geprägt. Zwei weitere sind hinzuzufügen: Otto Meyer Amden und Oskar Schlemmer. Sein Lehrer Otto Morach legte dem damals 18-jährigen Buser ohne Kommentar eine Publikation über Meyer-Amden vor, wohl wissend, dass dieser stille Meister ihn weiterführen könnte. Damit wird deutlich, in welch weitgespanntem und subtilen Netz sich der Künstler bewegte. Dieses Anregungsfeld wird in seinen Werken spürbar, aber es befähigte ihn auch dazu, einen ganz eigenen und spezifischen Weg einzuschlagen.

Ein erster früher Beitrag über Harry Buser, damals 30 Jahre alt, stammt von Walter Kern: «Die neuesten Bewegungen des abstrakten Expressionismus, der auf der spontanen Umsetzung des Erlebnisses beruht, und des Tachismus, mit ähnlichen Tendenzen, stehen ihm vorderhand entgegen. Um so mehr erscheint es mir als Pflicht, Busers Schaffen neben dasjenige der andern jungen Schweizer zu stellen und ihm die Gelegenheit zu geben, sich unter ihnen auf seinem Wege zu behaupten und zu bewähren.» (Zeitschrift «Das Werk» Band 45, 1958)

Drei Jahre später, 1961, fand seine erste Ausstellung im Museum zu Allerheiligen statt. Werner Schaad verfasste das Geleitwort zu einem umfassenden Überblick über sein bisheriges Schaffen. 17 Jahre später, 1978, in einer zweiten Schaffhauser Ausstellung, schrieb derselbe: «Aufgerufen, etwas darüber (über die Ausstellung) zu schreiben, fiel es mir als ehemaligem Lehrer, Mentor und Freund des Künstlers leicht, über die Entwicklung seiner Kunst einige Gedanken zu äussern. (…) Die gegenwärtige Ausstellung mit über 100 Blättern aus den Jahren 1961 bis 1978 erlaubt mir, jenes Geleitwort von 1961 nur noch zu ergänzen, weil es uns zeigt, dass Buser den damals eingeschlagenen Weg folgerichtig fortgesetzt hat. Die früher noch erkennbaren Einflüsse Schlemmers und Meyer-Amdens oder auch Seurats haben sich allerdings mit dem Durchbruch des unverkennbaren Eigenen wie Herbstnebel in der Sonne aufgelöst.» Schaad bezeichnet Harry Buser als Zeichner oder Former auf der Fläche. Waren anfänglich Kohle, Kreide und Pastell die meistgebrauchten Utensilien, so wird Bleistift das vorherrschende Mittel zur Umsetzung seiner Bildgedanken. Wir kennen Buser vor allem als Zeichner, aber es sei hierbetont, dass er auch Maler und Grafiker war und etliche grosse Wandbildaufträge ausgeführt hat.

Es vergingen weitere 20 Jahre, bis Buser 1998 gemeinsam mit Hans Bächtold, Erwin Gloor und Bernhard Wüscher unter dem Titel Ausblick. Kunst in der Region Schaffhausen gezeigt wurde. Interessant war, dass im Katalog nicht die Werke selbst erschienen, sondern die Atelierräume vorgestellt wurden, geprägt von der jeweiligenKünstlerpersönlichkeit. Schon allein die Abbildungen von Busers Atelier lassen diese sehr eigene und kaum beschreibbare Welt erahnen. Ich hatte das Glück, diese auch in Wirklichkeit zu erleben, und sie war unglaublich und faszinierend: Überall, auf Tischen, Pulten und Staffeleien, fanden sich Stapel von kleinformatigen Zeichnungen, vorwiegend schwarz-weisse Zeichnungen. Der Blick in das Atelier zeigte zudem das anregende Umfeld, dessen vielfältige Gegenstände aus dem familiären Umfeld stammen. Zum Teil sind es Erbstücke, und der Künstler hat sie behutsam und spielerisch zugleich zu lockeren Gruppen gefügt. Jedes Stück besitzt seine persönliche Geschichte. Es sind materialisierte Erinnerungen, die für den Künstler in ihrer schlichten Präsenz eine angenehme Umgebung bilden, in der er seine künstlerischen Ideen geduldig verfolgen kann.» (Markus Stegmann, 1998)

Diese Objekte und ihre Arrangements waren nicht als eigentliche Vorlagen gedacht, aber sie dienten als Inspirationsquellen zum assoziativen, gegenständlichen Erschaffen. Das Vorbild Meyer-Amden hat Busers Schaffen lediglich in den Anfängen geprägt. Im Rückblick lässt sich feststellen, dass davon nun jene Essenz geblieben ist, die sich in der stetigen Suche nach der Darstellung des «Unbeschreiblichen» ernst und doch spielerisch im Erkennbaren niederschlägt.

Anlässlich der Ausstellung Plopp 2013 lernte ich gemeinsam mit der Künstlerin Leo Bettina Roost Harry Buser persönlich kennen. Dank des herzlichen Empfangs von ihm und seiner Frau in dieser anregenden Umgebung fühlten wir uns sofort sehr wohl. Was uns rasch «näher» brachte, war sein subtiler Humor.

Er wird allen, die ihm als Mensch, Lehrer und Künstler begegnet sind, in liebevoller Erinnerung bleiben und mit ihm sein grosses Werk, das sich bewährt hat und das einer umfassenden Würdigung noch bedarf.

Mehrere Werke des Künstlers befinden sich in der Grafischen Sammlung im Museum zu Allerheiligen in Schaffhausen.

Hortensia von Roda

20. Juli 2016

Adieu, Harry

Jeroen van Rooijen, van Rooijen Style Post

Harry Buser war Kunstmaler und lebte in Feuerthalen bei Schaffhausen. Er war auch Zeichner – „schümmerlen“, also das feine Nuancieren von Licht und Schatten mit dem Bleistift – war seine Stärke und Obsession. Diese übertrug er von 1959 bis 1991 während über dreissig Jahren auch auf seine Schüler an der Kunstgewerbeschule Zürich. Ich war 1986 einer jener Vorkurs-Absolventen, die beim damals schon recht alten Meister zur Schule gingen. 1991 ging Buser in Pension. Harry Buser war ein Lehrer von altem Schrot und Korn. Disziplin und Fleiss galten etwas. Pünktlichkeit und Form auch. Er trug manchmal auch Krawatten, wenn ich mich nicht irre. Oder zumindest sah er so aus. Er war einer, der seine Schüler auf dem Weg der Geduld, des Übens und der langsamen Schritte zur kreativen Reife begleitete. Harry Buser war unser Klassenlehrer in der Vorkursklasse V5 von 1986 bis 1987. Er war kein „cooler“ Lehrer, sondern eher einer von der traditionellen Sorte. Aber er war stets freundlich, höflich, interessiert und engagiert. Nur einmal ist er ausgeflippt, aber dabei einfach schnaubend weggelaufen, statt sich vor der Klasse abzureagieren. Ich vermute, dass Harry Buser unsere damaligen Versuche, die Ausbildung an der Kunstgewerbeschule Zürich durch Protest und Obstruktion zu erneuern, nicht goutierte. Er fand es möglicherweise zwar inhaltlich richtig, aber formal falsch. Denn er legte Wert auf den richtigen Ton. Und ich war wohl, nach Busers Massstäben, damals kein besonders talentierter Schüler. Ich hatte die Geduld und die Nerven nicht, um so detailversessen zu zeichnen, wie er es liebte. Andere Klassenkameraden, etwa Michel Casarramona, der heute ein bekannter Illustrator ist, hatten eher seinen Respekt. Umso mehr freute es mich Jahre später, von seinem Sohn Daniel zu hören, dass Harry Buser meinen Weg in die Welt der Mode und Medien mit Interesse und sogar einem gewissen Stolz verfolgt habe. Er habe meine Artikel immer gelesen. Rund zwanzig Jahre nach meinem Vorkurs traf ich Harry Buser in Schaffhausen wieder. Wir sahen uns 2013 anlässlich einer Ausstellung im Museum zu Allerheiligen, die ihn und andere Künstler aus der Region würdigte. Harry Buser war damals dünner und älter, aber noch immer derselbe sanfte, aber knorrige und leicht skurrile Mann, den er in meiner Erinnerung immer gewesen ist. Und ich erkannte langsam sein grosses Herz. Nun ist Harry Buser am 12. Juli 2016 im schönen Alter von 88 Jahren gestorben. Die Todesanzeige hat mich heute per Post erreicht. Diese Nachricht schmerzt mich, weil Buser ein Teil meiner Jugend und kreativen Formung war. Weil ich ihn erst spät für mich „entdeckt“ habe und es danach leider aber nie geschafft habe, ihn in seinem Atelier in Feuerthalen zu besuchen. Es blieb bei Absichtsbekundungen. Nun ist es zu spät. Adieu, Harry. Danke für alles. Trink bitte mit Dimitri einen auf uns.

Jeroen van Rooijen